Der „Wilde Robert", wie die Döllnitzbahn liebevoll genannt wird, ist ein Symbol der Region und zieht sich wie ein roter Faden durch das „Sächsische Zweistromland" zwischen Elbe und Mulde. Die Wurzeln der Döllnitzbahn reichen weit in die Geschichte zurück. Doch das Erscheinungsbild der Bahn und des an der Strecke gelegenen Mügelner Bahnhofs, einst einer der größten Schmalspurbahnhöfe Europas, hat sich in den letzten Jahrzehnten mehrfach verändert. 1884 begann hier die Eisenbahngeschichte mit einem ersten und provisorisch eingerichteten Rübentransport. Im Laufe der Zeit wurde das Mügelner Netz Schritt für Schritt aufgebaut und erreichte mit 91,7 km Steckenlänge seine größte Ausdehnung. So wurde die ländliche Region zwischen Döbeln, Oschatz und Strehla verkehrstechnisch erschlossen und die Erzeugnisse konnten zu den Städten, Fabriken und Verladebahnhöfen an den Regelspurstrecken gebracht werden.
Die Hafenanbindung von Strehla ermöglichte es, die Güter gleich zu verschiffen. Neben dem existenziell bedeutenden Transport von Kaolin wurden überwiegend landwirtschaftliche Produkte befördert. Nennenswerter Personenverkehr beschränkte sich im Mügelner Netz hauptsächlich auf die Strecken Oschatz - Mügeln und Mügeln - Wermsdorf. Die Zeit hatte das einst weitläufige Mügelner Netz Mitte des letzten Jahrhunderts überholt. Kilometer für Kilometer wurde der Bahn der Lebensnerv abgetrennt, bis nur noch das Reststück zwischen Oschatz und Kemmlitz für den Kaolinabtransport übrig blieb. Mit der Gründung des Fördervereins „Wilder Robert" e.V. wurde ein erstes Zeichen des Traditionsbewusstseins gesetzt. Konsequent wurden und werden historisch wertvolle Fahrzeuge aufgearbeitet sowie Gebäude und Anlagen saniert. Der Verein macht sich ebenfalls beim Sonderzug- und Traditionsbahnbetrieb verdient. Die nunmehr hier tätige Döllnitzbahn GmbH hat neben dem werktäglichen Fahrbetrieb ebenfalls den Faden der Traditionspflege aufgenommen. Bahnhofsfeste, Schmalspurbahnfestivals, Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals oder Aktionen mit anderen Vereinen werden zu Events und locken Bahnbegeisterte, Familien und Ausflügler in die Region. Die Zukunft stimmt hoffnungsvoll, denn sie bleibt mit der einstigen Schmalspurbahnromantik zwischen Oschatz, Mügeln, Kemmlitz und Glossen verbunden.
Planbetrieb an allen Tagen
Die Döllnitzbahn hat auch weiterhin ihre Kernaufgabe im täglichen Planbetrieb. Heutzutage erfüllt sie diese genauso zuverlässig wie vor über 125 Jahren. Dieselzüge rollen werktags mit steigender Fahrgastzahl entlang der Döllnitz von Mügeln nach Oschatz. An ausgewählten Fahrtagen steht eine Dampflokomotive an der Zugspitze und ist schon von weitem zu erkennen. Unseren Gästen werden unterschiedliche Sonderfahrten angeboten. So sind u.a. die Züge zu den beliebten Mügelner Bahndammwanderungen zu empfehlen. Nikolauszüge und Glühweinfahrten sind inzwischen zur Tradition geworden und locken jedes Jahr zu geselligen Fahrten durch die winterliche Landschaft. Ob mit Dampf oder Diesel, die Döllnitzbahn hat sich zu einem wichtigen Tourismusfaktor für die Region entwickelt.
Durch das Zusammenspiel abwechselnder touristischer Angebote wird den Gästen eine Vielfalt an unterschiedlichen Erlebnissen geboten. Gerade in der Kombination von „Erleben und Erholen" fühlen sich sowohl Familien mit Kindern als auch Individualtouristen angesprochen. Eine Stadtdurchfahrt von Mügeln, die Vorbeifahrt am Schloss Ruhetal, die Weiterreise durch die wogenden Wiesen und Felder der Döllnitzniederung nach Oschatz und die dortige Stadtquerung, die Impressionen am Zugfenster bieten Ihnen Reize und Erinnerungen, die Sie mit nach Hause nehmen und zum Wiederkommen einladen.