Von Wolkenstein nach Jöhstadt verkehrte einst eine der romantischsten Schmalspurbahnen Sachsens. An einem Freitag, zudem noch einem 13., am 13. Januar 1984 fuhren die letzten Reisezüge hinauf nach Jöhstadt. Der Restverkehr nach Niederschmiedeberg wurde am 31. Dezember 1986 eingestellt. Die Preßnitztalbahn, so wird die einst im Tal der Preßnitz verkehrende sächsische Schmalspurbahn bezeichnet, war Geschichte. Ein kleines Museum sollte in Großrückerswalde an die Schmalspurbahn erinnern. Dass daraus eine der bekanntesten deutschen Museumsbahnen hervorgehen würde, haben sich die Aktiven der ersten Stunde nicht träumen lassen. Den zur Ruine verfallenen Lokschuppen in Jöhstadt hatte 1990 der damalige Bürgermeister Günter Baumann, heute Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU), enthusiastischen Eisenbahnfreunden überlassen, die hier einen Wiederaufbau vollziehen wollten.
Belächelt, als Spinner und Träumer bezeichnet, haben sie alle Zweifler eines Besseren belehrt. „Das Wunder von Jöhstadt" haben die Mitglieder der 1988 in Großrückerswalde einst als Ortsgruppe des Kulturbundes der DDR gegründeten IG Preßnitztalbahn wahr werden lassen. 1992 wurden die ersten Gleise gelegt. Aus einem Heizhausstand über eine Weiche an der heutigen Bekohlungsanlage und zurück in den anderen Stand. So begann alles auf weniger als hundert Metern Gleis. Tausende kamen damals und schauten zu. Mitfahren durfte man noch nicht. Wenig später schnauften die ersten Züge mit je einer Maschine an beiden Zugeenden bis zum Streckenvorbau, etwa in Höhe der heutigen Fahrzeughalle, und der Museumsbahnbetrieb war eröffnet.
Erfolgreicher Museumsbahnbetrieb seit 1993 ...
Es ging in vielen Etappen weiter. Schlössel wurde angefahren, der neue Streckenabschnitt bis in Höhe Loreleifelsen eröffnet, Schmalzgrube wiederbelebt und mit einer großen Festwoche im August 2000 der Endpunkt Steinbach erreicht und das Wasserhaus seiner alten Funktion übergeben. Seit der Aufnahme des öffentlichen Personenverkehrs auf der Preßnitztalbahn am 28. Mai 1993 sind knapp eine halbe Million Fahrgäste mit den Zügen der Museumsbahn gefahren. Schrittweise konnte über verschiedene Etappen eine längere Strecke befahren werden, seit 2000 verkehren die Züge mit rund 35.000 Fahrgästen pro Jahr zwischen Steinbach und Jöhstadt. Die Homepage des Vereins zeigt den Fahrplan.
Über das ganze Jahr verkehren die Züge auf der Strecke. Mit den vereinseigenen drei IV K-Maschinen, der hier eingesetzten VI K 99 715 einer Besitzergemeinschaft, der von der IG Preßnitztalbahn erworbenen und betriebsfähig aufgearbeiteten 99 4511 sowie Gastlokomotiven wird ein hochinteressantes Betriebsgeschehen geboten. Vielfach auch im Mehrzugbetrieb. Die I K Nr. 54 hat der VSSB e.V. per Vertrag in Jöhstädter Hände zum Betriebseinsatz übergeben. Sie schnauft mit einem kleinen Zug bergwärts und ist der Star. In Zukunft wird sie alle sächsischen Schmalspurbahnen kennenlernen. Als der Werbeträger der DAMPFBAHN-ROUTE präsentiert sie die Schmalspurbahnen auch fern der Schienen auf dem Schwerlasttransporter der PRESS GmbH bei Festen und Festivals oder Messen. Ein Höhepunkt des Vereinslebens war ohne Zweifel der 20. Vereinsgeburtstag. Zu diesem mehrtägigen Eisenbahnfestival im Schwarzwasser- und Preßnitztal wurden sage und schreibe 14 (!) IV K-Maschinen nach Jöhstadt gebracht. Gratulanten der besonderen Art. Von „Gänsehautstimmung" sprachen Eisenbahnfans und mancher Gast oder Urlauber wurde von dieser Stimmung „angesteckt". Es war eine perfekte Werbung für die Preßnitztalbahn und die ganze Region, die hier beispielhaft voneinander partizipieren. Steht eigentlich nur die Frage im Raum: Waren Sie schon einmal in Jöhstadt? Vielleicht wäre eine der Sonderzug- oder Themenveranstaltungen eine Gelegenheit die Museumsbahn, ihre Fahrzeuge und Anlagen kennen zu lernen.