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Traditionsverein „Rollbockbahn“ e.V.
Am Bahndamm 10
08468 Heinsdorfergrund OT Oberheinsdorf
Mobil: 0163 7761150


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Die einstige Eisenbahn

Sie war unter Sachsens Schmalspurbahnen etwas ganz Besonderes – die von der Bevölkerung meist nur „de Rollbock“ genannte Strecke von Reichenbach unterer Bahnhof nach Oberheinsdorf. Dabei handelte es sich um eine der wenigen Meterspurlinien im Königreich Sachsen. Sie band die zur Zeit der Industrialisierung entstandenen Textilbetriebe entlang des Raumbaches in Reichenbach und im Heinsdorfergrund ans regelspurige Eisenbahnnetz an.
Für den Betrieb der knapp 5,5 km langen Strecke stellten die K.Sächs.Sts.E.B. im Jahr 1902 drei einzigartige Gelenklokomotiven der Bauart Fairlie, mehrere Güterwagen und 48 Rollböcke in Dienst. Die markanten Dampflokomotiven mit Mittelführerstand und zwei Schornsteinen konnten mit aufgebockten Regelspurgüterwagen durch enge Bögen bis in die Fabrikhöfe fahren.
Von 1909 bis 1957 fand mit dafür umgebauten Güterwagen auch ein bescheidener Personenverkehr auf der „Rollbockbahn“ statt, deren Hauptaufgabe jedoch bis zur Betriebseinstellung im Jahr 1962 im Güterverkehr lag.
In den Jahren 1963/64 demontierte die Deutsche Reichsbahn das Meterspurgleis durch den Heinsdorfergrund, fast alle Fahrzeuge fielen dem Schneidbrenner zum Opfer. Von den beiden nach dem Zweiten Weltkrieg noch vorhandenen Dampflokomotiven wurde eine 1963 verschrottet, die andere wechselte aufgrund ihrer außergewöhnlichen Konstruktion ins Eigentum des Verkehrsmuseums Dresden. Dieses hinterstellte die 1970/71 im Stil ihrer Indienststellung restaurierte Maschine viele Jahre im Lokschuppen von Ilfeld bei Nordhausen im Harz.

 
 

Der Traditionsverein „Rollbockbahn“ e.V.

Im Jahr 1997 gründete sich in der Gemeinde Heinsdorfergrund der Traditionsverein „Rollbockbahn“ e.V., um die letzten Sachzeugen der einstigen Schmalspurbahn für die Nachwelt zu erhalten. Dazu gelang es dem Verein, auf dem Gelände des ehemaligen Endbahnhofes Oberheinsdorf ein Museum in der Form eines zweiständigen Lokschuppens zu errichten. Auf das hineinführende Gleisstück gab das Verkehrsmuseum Dresden die in ihrem Eigentum befindliche Original-Dampflokomotive, aber auch den letzten erhalten originalen Reichenbacher Rollbock als Leihgaben.
Die Eisenbahnfreunde trugen ihrerseits kleiner Utensilien, Pläne und Aufnahmen sowie vor allem viel Wissen über die einzigartige Bahn zusammen. In Reichenbach bargen sie im Jahr 2005 den Schrankenposten 3/1 d und bauten es auf dem Museumsgelände als Toilettenhäuschen wieder auf. Im Freigelände präsentieren sie außerdem einen in Sachsen-Anhalt als Wagenkasten entdeckten Original-Rollbockbahn-Personenwagen, den der Verein liebevoll restaurieren ließ, sowie einen regelspurigen Flachdachgüterwagen auf einer neu errichteten Rollbockgrube mit einem aus dem Harz stammenden Rollbock.
Dieses Museum mit der Dampflokomotive kann an ausgewählten Tagen im Jahr besichtigt werden – das vor dem Gemeindeszentrum befindliche Freigelände ganzjährig.
Und übrigens: Der Personenwagen des Traditionsvereins ist als offizielle Außenstelle des Standesamtes für Trauungen zugelassen – trauen Sie sich!

Dampflok I M Nr. 251 (DR-99 162) 
© Traditionsverein Rollbockbahn e.V.

Fahrzeuge im Museumsgelände

Die im Museum ausgestellte Dampflokomotive trägt die Nummer I M Nr. 252, mit der sie 1902 von den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen (K.Sächs.Sts.E.B.) in Dienst gestellt worden war. Die Sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann AG in Chemnitz hat diese gemeinsam mit zwei Schwesterlokomotiven (I M Nr. 251 und Nr. 253) für die „Rollbockbahn“ konstruiert und gebaut. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) teilte den drei Maschinen im Jahr 1925 die Nummern 99 161 bis 99 163 zu. Während die 99 163 im Zweiten Weltkrieg im Schwarzen Meer versenkt worden ist, wurde die 99 161 von der Deutschen Reichsbahn 1963 verschrottet. Damit handelt es sich bei der verbliebenen 99 162 seitdem um ein Unikat. Die im Auftrag des Verkehrsmuseums Dresden 1970/71 im Stil der K.Sächs.Sts.E.B. restaurierte Maschine ist zugleich eine von acht Lokomotiven der Bauart Fairlie, die weltweit noch existieren.

I M Nr. 252
Hersteller: Sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann AG, Chemnitz
Baujahr: 1902
Fabriknummer: 2648
DR-Nummer: 99 162

 

Der vor dem Lokschuppen unter einem Schutzdach ausgestellte Schmalspur-Personenwagen entstand 1909/10 zur Aufnahme des Personenverkehrs auf der „Rollbockbahn“ aus dem 1904 für diese Strecke gebauten vierachsigen offenen Güterwagen 4589 M. Dazu trug er ab 1910 die Nr. 1006 M. Von der DRG in „Dresden M10003“ umgezeichnet, erhielt dieser Personenwagen im Jahr 1950 die Nr. 10.103 und 1958 die Nr. 900-304. Nach der Einstellung des Personenverkehrs auf der Rollbockbahn (1957) blieb der Wagen zunächst einige Zeit ungenutzt, eher ihn die Deutsche Reichsbahn ins Netz Barth bei Stralsund gab. Dort kam er knapp zwei Jahre zum Einsatz und sollte danach zur Spreewaldbahn gelangen. Doch diese Umsetzung unterblieb. Stattdessen wurde der Wagen Ende 1964 ausgemustert und sein Kasten ohne Drehgestelle 1966 nach Güsen bei Magdeburg gebracht. Auf dem dortigen Bahnhofsgelände diente der Aufbau in einer abgelegenen Ecke als Lagerraum, der langsam einwuchs …
Ende der 1990er entdeckten ihn dort Eisenbahnfreunde – und informierten den Traditionsbahnverein über ihren Fund. Der Verein barg den maroden Kasten und ließ ihn in einer Werkstatt in Marienberg mit großem Aufwand und viel Liebe für Details restaurieren. Mit neu angefertigten Drehgestellen kam er im Jahr 2006 schließlich an seinen einstigen Einsatzort ins Vogtland zurück. Der mit einer äußeren Holzbeplankung versehene Museumswagen trägt die ihm 1950 zugewiesene Reichsbahn-Nr. 10.103.

 

Dem im Museum ausgestellten Original-Rollbock wies die Deutschen Reichsbahn Anfang der 1950er Jahre die Nummer 99-40-34 zu. Es handelt sich um den letzten erhaltenen Rollbock der Schmalspurbahn Reichenbach – Oberheinsdorf. Er verfügt über eine Seilzugbremse der Bauart Heberlein.
Jeweils zwei derartige Rollböcke nahmen die Achsen von regelspurigen Güterwagen auf, um diese dann auf der meterspurigen „Rollbockbahn“ transportieren zu können.

An dieses Prozedere erinnert der Traditionsverein im Freigelände. Dort steht ein regelspuriger Flachdachgüterwagen an einer neu gebauten Rollbockgrube. Unter einem seiner Radsätze steht der aus dem Harz stammenden Rollbock 99-01-64 auf Meterspur.

Lage

Das Domizil des Traditionsvereins befindet sich in der Gemeinde Heinsdorfergrund südöstlich von Reichenbach im Ortsteil Oberheinsdorf neben dem Gemeindezentrum.
Reichenbach im Vogtland ist aus Richtung Norden z. B. über die Bundesstraße 94 erreichbar.
Wer auf der Autobahn A72 aus Richtung Chemnitz anreist, sollte gleich in Zwickau West abfahren, wer aus Richtung Hof kommt, für den bietet sich die Abfahrt Reichenbach an.

Öffnungszeiten:

Das Museum kann jedes Jahr zu den regulären Öffnungstagen oder aber auf Nachfrage besichtigt werden. Die Öffnungstage für 2023 stehen derzeit noch nicht fest.
Anfragen für zusätzliche Besichtigungen nimmt der Vereinsvorsitzende Heiko Härtel unter der Telefonnummer 0163 7761150 entgegen.
Terminanfragen zu Trauungen im Museumswagen sind über das Standesamt der Gemeinde möglich.